Zollernalbkurier vom 24.07.2006
 

Harry Perna sorgt beim Downhill-Weltcup am Ochsenberg für eine Sensation
Franzose düpiert Konkurrenz
Tobias Wöhrle bester Deutscher - Lokalmatadoren sammeln Titel auf nationaler Ebene
 

Ein Nobody hat den Inline-Downhill am Sonntag in Albstadt gewonnen. Der Franzose Harry Perna feierte auf der Ochsenberg-Strecke seinen ersten Weltcup-Sieg und verwies die Stars auf die Plätze.

Eine ausgezeichnete Show haben die Abfahrer auf Rädern am Sonntag dem Publikum am Ebinger Ochsenberg geboten. In atemberaubender Geschwindigkeit sausten sie die 2,6 Kilometer lange Asphaltpiste mit ihren drei Haarnadelkurven und einer Schikane hinunter, die Zeitunterschiede bemaßen sich in Sekundenbruchteilen. „Das hat ungeheuer Spaß gemacht“, beteuert der 16-jährige Kevin Stich vom Gasteberverein WSV Ebingen, der bei seiner Weltcup-Premiere auf Anhieb einen ausgezeichneten 23. Platz belegte und bei den Deutschen Meisterschaften gar Sieger in der Juniorenklasse wurde.
 

Marina Knupfer (IHC Bitz) Jochen Beck (IHC Bitz)
 

Den nationalen Titel bei den Aktiven holte sich nicht unerwartet sein Vereinskamerad Tobias Wöhrle, dem es zu verdanken ist, dass bereits zum zweiten Mal in Folge der Weltcup in Albstadt gastiert. Gleich im ersten Lauf legte er als erster Starter bei den Männern in 2:33,61 Minuten eine Bestzeit hin, die lange Zeit Bestand hatte. Der 16-jährige Stephan Weckenmann aus Albstadt brauchte ebenso 20 Sekunden mehr, wie der älteste Starter, Jürgen Bartel, der am Ochsenberg seinen 51. Geburtstag feierte. 

Deutlich besser kam WSV-Starter Jean-Claude Keppler zurecht, der am Tag zuvor etwas überraschend baden-württembergischer Meister im Riesenslalom geworden ist. Er wurde im Endklassement an 30. Position geführt und in der nationalen Wertung belegte der 20-Jährige Rang fünf. Die beiden Starter des IHC Bitz, Markus Reichenberger und Jochen Beck, belegten die Plätze 29 und 27, was Beck Bronze bei den Deutschen Meisterschaften der Herren eintrug. Den Medaillensatz für den ICH Bitz komplettierten die Knupfer-Schwestern: Die 19-jährige Sandra Knupfer wurde deutsche Juniorenmeisterin vor ihrer drei Jahre jüngeren Schwester Marina. Den Weltcup-Sieg bei den Damen holte sich überlegen die Französin Severine Thomas, die in beiden Durchgängen die Bestzeit hinlegte und ihre Führung im Weltcup-Gesamtklassement ausbaute. 
 

Markus Reichenberger (IHC Bitz) Sandra Knupfer (IHC Bitz)

 
Ähnlich wie im alpinen Skizirkus gab es zwischen den beiden Läufen eine längere Pause, welche die Organisatoren dazu nutzten einen Bewerbungsfilm für die Weltmeisterschaften zu drehen, die der WSV-Vorsitzende Siegfried Binder im kommenden Jahr gerne nach Albstadt holen möchte. Offiziell begründet wurde die einstündige Unterbrechung damit, dass die Läufer ihre Rollen wechseln müssten. Im Kofferraum sitzend oder an Seilen hängend wurden die Athleten von den Helfern des WSV Ebingen die Strecke hochgezogen. Doch am Parkplatz angekommen, griffen sie nicht etwa zum Schraubenzieher, sondern leisteten sich ein ausgiebiges Sonnenbad.

Großartige Überraschungen brachte der zweite Lauf nicht. Die Läufer, die schon im ersten Durchgang sehr gut mit der Piste zurecht gekommen waren, bestätigten ihre Leistung, so dass es nur minimale Verschiebungen gab. Der 19-Jährige Franzose Harry Perna blieb vor dem mehrmaligen Weltmeister Daniel Ladurner (Österreich), dritter wurde der Österreicher Dominik Dobler, der im Vorjahr am Ochsenberg noch Zweiter gewesen war. Knapp am Podest vorbei schrammte der Marokkaner Samir Hali, der mit einer eigenwilligen Technik auf sich aufmerksam gemacht hatte. Während die meisten anderen Fahrer die vom Skifahren her bekannte Abfahrtshocke einnahmen, bevorzugte er auf den Geraden eine Art Telemarkstil. Fünfter wurde der Franzose Brice Nurit, der als der Mann der Zukunft gilt und im kommenden Jahr - sollte die WM in Albstadt ausgetragen werden – nach Gold greifen will.
 

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